„Aus dem Boden gestampft“ ist eine der beliebtesten Redewendungen im Diskurs über die Europacity. Nicht unpassend, wenn man bedenkt, dass das rund 61 Hektar große Areal nahezu Brachfläche war und dort quasi aus dem Nichts ein neuer Stadtteil mit 3.000 Wohnungen und Büros für 16.500 Menschen entsteht. Die Floskel suggeriert aber auch eine gewisse Aggression und Übereile, mit der die Bebauung vonstatten geht. Das Ergebnis eines solchen Aktes kann eigentlich gar nicht schön werden, wenn es immer nur schneller, höher und weiter gehen soll. Dabei ist zumindest die mitschwingende Kritik der Hast verfehlt: Die Planung der Europacity hat bereits 2006 begonnen und ihre Fertigstellung ist noch nicht absehbar.
Es verwundert zudem wenig, dass eine Dauerbaustelle noch kein vor Leben strotzendes Quartier ist. Und trotzdem: In der Europacity wurden Gebäude als Pioniere an den Start geschickt, die dem selbstauferlegten Ziel, die bewährte Berliner Mischung zu reproduzieren, nicht gerecht werden. Vom Großteil der Gesellschaft werden die Bauten einfach nicht als schön angesehen. Versagt die ästhetische Nachhaltigkeit, ist das Projekt weder sozial, noch ökonomisch oder ökologisch nachhaltig. Dabei entsteht die Europacity gar nicht wirklich aus dem Nichts: Die wenigen Bestandsbauten, die Krieg und Bedeutungsverlust überstanden haben, sind mit ihren resilienten Backsteinmauern ein Brückenschlag zur Industrievergangenheit und ein charakterstarker Wegweiser, wie man Gebäude baut, die auch in hundert Jahren noch gefallen.
Resonanz erzeugen
Die Versäumnisse werden besonders deutlich im Kontrast zu solchen Projekten, die gelungen sind, die begeistern und die dafür sorgen, dass das letzte Wort über die Europacity noch nicht gesprochen ist. In den beiden Quartieren Heidestraße und Wasserstadt Mitte hat man gelernt, dass Lage allein nicht als Qualitätsmerkmal reicht. Auf jeweils eigene Art zeigen das QH Core und der sanierte Kornversuchsspeicher beispielhaft, wie man der großen Bauaufgabe begegnet, einem Neubauquartier Charisma zu verleihen. Beide nutzen Bestand und Historie als Anker, um dem Ort Bedeutung zu geben, beide erzeugen im Dialog mit dem Kontext Resonanzerfahrungen bei denjenigen, die dort wohnen, arbeiten oder im Vorübergehen die Architektur als Flanierkulisse wahrnehmen. Protagonist in dieser Kulisse ist der Backstein.